onehundretstories
Kapitel 1

Müde schleppt Faye die Einkaufstüten die letzte Treppe hinauf. Die Wohnung, welche sie für Olivia, Nova und sich gewählt hatte, lag mitten in der Innenstadt, umgeben von tausend verschiedenen Gerüchen, also perfekt um sich vor den Jägern der Kaiserin zu verstecken. Den Ort, welchen sie gewählt hatte, kannte sie nur all zu gut, sie war hier geboren worden und aufgewachsen. Der Ort war weder wirklich groß, noch klein, knapp zweiundzwanzigtausend Einwohner zählte er und lag etwa eine halbe Stunde Autofahrt von der niederländischen Grenze entfernt. Als sie klein gewesen war, war sie oft mit ihrem Vater nach Enschede rüber gefahren, einer netten kleinen Studenten- und Einkaufsstadt in den Niederlanden. Dort hatten sie dann Kaffee und Kekse gekauft und sich einen schönen Nachmittag gemacht, wenn er dann mal zu Hause war. Bevor sie Trauer empfinden konnte schob sie den Gedanken an früher fort und stellte die Tüten vor der Haustür ab um auf zu schließen. Außer dieser Wohnung gab es keine weitere in diesem Haus, nur eine Versicherung, die unter ihnen lag und ihnen direkt ein ausgeprägtes Alarmsystem mitlieferte. „Faye? Bist du das?“, rief Nova aus dem Bad, als Faye die Tüten über die Schwelle schob und die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ, dann verriegelte sie von innen und schleppte die Tüten in die Küche. „Ja, wurde etwas später, tut mir leid.“, rief sie im Vorbeigehen durch die geschlossene Tür und warf einen blick in das große und offene Wohnzimmer. Olivia hatte es sich mit einer Tasse Tee und einer dicken Decke auf dem großen Sofa bequem gemacht und starrte gebannt auf den Fernseher, in welchem eine ihrer Lieblingsromanzen lief, Twilight oder etwas dergleichen, wenn Faye sich nicht irrte. Olivia und Faye waren in den letzten Tagen öfter aneinander geraten, deswegen wunderte es Faye nicht, dass sie nicht einmal den Kopf hob um sie zu grüßen. Sie ging weiter in die Küche und betrachtete das Schlachtfeld, welches dort zurück geblieben war. Überall lagen Gemüsereste und in einer großen Schüssel lag labbriger Salat, welcher in Dressing ertränkt war. Erneut war Faye nach Seufzen zu mute, allerdings würde Olivia sich dadurch wahrscheinlich wieder angegriffen fühlen, also fügte sie sich ihrem Schicksal und verstaute zunächst die Einkäufe, bevor sie die Küche säuberte. Als sie damit fertig war schnappte sie sich zwei Tüten von der Eckbank und ging ins Wohnzimmer, wo Nova sich in der Zwischenzeit zu Olivia gesellt hatte. „Ich habe euch Klamotten mit gebracht, die in diese Welt passen. Nichts besonderes, aber für den Anfang reicht es um unauffällig zu bleiben, andere Sachen könnt ihr euch dann immer noch selber kaufen.“, sagte sie und drückte beiden eine Tüte in die Hand. Nachdenklich zog Olivia ein paar der Teile heraus und zog dann die Nase kraus, bevor sie sich an Nova wand, „Schrecklichen Geschmack, den die Menschen haben.“ Faye überhörte diesen Satz einfach und machte sich auf den Weg in ihr Schlafzimmer. Sie hatte das Zimmer mit Tür zum Balkon, aus Sicherheitsgründen, weil es für Olivia und Nova zu gefährlich gewesen wäre, aber auch, weil sie so immer das Gefühl hatte ein Stück Freiheit zu besitzen. Das Zimmer in dem sie lebte war einfach gehalten, ein Bett, ein Schrank ein Stuhl, ein Schreibtisch und ein kleines Nachtschränkchen. Keine Bilder, keine Fotos, keine Figuren oder dergleichen. Olivia und Nova hatten ihre Zimmer in bunten Farben gestrichen, schon kurz nachdem sie erschienen waren, während Faye ihr Zimmer weiß gelassen hatte, nur der dunkle Laminat aus Nussholz hob sich vom restlichen Zimmer ab. „Kochst du uns etwas zu Essen?“ Olivia stand in der Tür und betrachtete nachdenklich das Zimmer ihrer Wächterin. „Du lebst eindeutig zu trist, kein Wunder dass man dich nie Lachen siehst, du hast nichts hier, an dem du dich erfreuen könntest.“, sagte sie tadelnd und verschwand wieder aus der Tür. Faye hatte ihr keine Antwort gegeben, allerdings war klar, dass sie ihrer Bitte nachkommen würde, immerhin war sie für die beiden Mädchen verantwortlich, so hieß jedenfalls der Auftrag, den ihre Eltern ihr gestellt hatten. Müde schleppte sie sich in die Küche und begann Gemüse zu waschen und zu zerkleinern, während in einem Topf bereits Reis in Brühe kochte. Olivia und Nova waren beste Freundinnen. Sie stammten aus reichen Familien und gehörten den Nobiles an, einer Rasse, welche kaum im Stande war für sich selbst zu sorgen, allerdings besaßen sie genügend Geld und Reichtümer um sich zu kaufen, was sie zum Leben brauchten. Sie stellten Wächter und Jäger ein, die ihre Familie schützten und auf Befehl hin alle töteten, die der Familie gefährlich werden konnten. Sie besaßen Angestellte, welche für den Haushalt und ihr Essen sorgten und sie besaßen Macht, genug macht um selbst die Propheten und Orakeln zu bestechen, welche für ihre Käuflichkeit bekannt waren. Schon oft wurden falsche Prophezeiungen gestellt nur um anderen das Leben schwer zu machen oder sie zu beseitigen. Faye war als Jägerin geboren und erzogen worden, hatte sich jedoch irgendwann entschieden als Wächterin zu arbeiten, nicht weil sie eine schlechte Jägerin war, sondern einfach, weil sie es hasste andere zu Töten, nur weil sie irgendwem nicht in den Kram passten. Sofern Jäger nicht fest angestellt waren in einer Familie lebten sie als Söldner. Jäger die angestellt waren wurden selten für Auftragsmorde abberufen, sie fungierten eher als Wächter, waren allerdings privilegierter als diese, da sie eine bessere Ausbildung genossen und als stärker und erfahrener galten. Faye war damals als Söldnerin durch die Länder von Astenia, dem Land der Kaiserin Ravenna, gezogen und hatte für viele unterschiedliche Wesen gearbeitet um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, bis sie in Atrium, der Hauptstadt des Landes, auf Morrison Gray traf, einem Jäger, welcher es bis in die Reihen der Nobiles geschafft hatte, ohne für diese zu arbeiten. Er stellte sie als Wächterin ein und von diesem Tag an achtete sie auf das Wohl seiner Frau Loreen und seines Sohnes James. Viele der Nobieles trachteten nach dem Leben der Familie, doch es war nie einem Jäger gelungen sie zu töten. Vor knapp einem Monat bat Morrison sie dann ihr einen gefallen zu tun. Zwei befreundete Familien, welche auf der schwarzen Liste der Kaiserin standen, fürchteten um das Leben ihrer beiden Töchter und baten Morrison um Hilfe. Er beauftragte Faye die beiden in ihre Obhut zu nehmen, für sie zu sorgen und sie an einen Ort zu bringen, wo sie vorerst sicher waren. So hatte Faye sich entschieden sich aus der Welt in die sie vor Jahren geflüchtet war zu flüchten und die Welt der Menschen aufzusuchen. Olivia und Nova waren natürlich nicht besonders begeistert darüber, aber sie würden schon verstehen, warum Faye keine andere Wahl gehabt hatte. „Essen ist fertig.“, rief Faye im vorbeigehen, dann verschwand sie wieder in ihrem Zimmer. Sie aß nie mit den Mädchen zusammen, mied generell ihre Gesellschaft und versuchte so unauffällig wie möglich zu bleiben. Normalerweise wurden Jäger in ihrer Dimension geboren, es kam selten vor, dass Wesen die das Jägergen in sich trugen aus einer anderen Dimension kamen, aber scheinbar hatten Fayes Eltern ihr damals einiges Verheimlich, allem voran ihre Herkunft. Erst nach dem Mord an ihrer Familie war Faye auf die Dokumente gestoßen, welche ihre verrieten, wie sie in die andere Dimension gelangen konnte und die sie über diese ganz eigene Welt aufklärte. Faye war damals aus Trauer dort hin geflohen und hatte dort erst ihre Fähigkeiten entwickeln können, aufgefallen war sie allerdings nie. Sie hatte ihre Vergangenheit auch recht schnell verdrängen können, allerdings holte diese sie nun ungefähr genau so schnell wieder ein. Faye schälte sich aus ihren Kleider und hing diese über den Stuhl vor dem Schreibtisch, dann legte sie sich auf ihr Bett und starrte stumm an die Decke. Morrison hatte ihr versprochen ihr so schnell wie möglich Unterstützung zu schicken, er wusste wie anstrengend die Mädchen sein konnten, doch bisher war niemand gekommen. Faye störte dies nicht unbedingt, allerdings machte sie sich Sorgen, sowohl um Morrison, als auch um seine Familie und die anderen Wächter, welche alle ehemalige Jäger gewesen waren und mit denen Faye sich sehr gut verstanden hatte. Sie schob die Gedanken erneut bei Seite, sie konnten sich wehren, das wusste sie und über diesen Gedanken schlief sie endlich ein.
15.12.12 19:12
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Macabros / Website (15.12.12 20:43)
das ist sehr gut und ich bin gespannt, wie es weiter geht - Respekt...


LG

Maccabros


Sarah (19.12.12 11:11)
Hy, ich mag den Anfang Deiner Geschichte, bitte schreib bald weiter.
Kannst Du nur bitte mehr Absätze machen oder/und eine größere Schrift wählen, es ist sonst zu anstrengend zu lesen und ich will doch noch mehr erfahren.
Danke und lieben Gruß


microbeeful (21.3.13 19:45)
Macht Spaß zu lesen! Danke!

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